Start Empowerment Theateraufführung Geheimsache Rosa Luxemburg

Die ehrwürdige Aula wird zur Theaterbühne – eine beeindruckende Aufführung über Rosa Luxemburg: eine Frau, die fordert, handelt, polarisiert


Am Vorabend des Internationalen Weltfrauentages am 8. März 2017 wurde das Theaterstück "Geheimsache Rosa Luxemburg" als Kooperation und gemeinsame Veranstaltung des Büros für Gleichstellung und Gender Studies an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, der Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Geschlechterforschung an der Medizinischen Universität Innsbruck, sowie den Arbeitskreisen für Gleichbehandlungsfragen an der Medizinischen Universität und der Leopold-Franzens-Universität in der Aula der Universität Innsbruck aufgeführt.

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Bild (von rechts): Wolfgang Meixner (Vizerektor für Personal der Universität Innsbruck), Margarethe Hochleitner (Professorin für Gendermedizin, Leiterin Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Geschlechterforschung und Vorsitzende Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen, Medizinische Universität Innsbruck), Anita Zieher (Schauspiel, Portraittheater), Ingrid Oberkanins (Musik, Percussion), Maria Furtner (Büro für Gleichstellung und Gender Studies der Universität Innsbruck) und Sabine Engel (Leiterin Büro für Gleichstellung und Gender Studies und Vorsitzende des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen), Claudia Beyer (Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Geschlechterforschung der Medizinischen Universität Innsbruck)


Es hat nun schon Tradition: Bereits im März 2015 gab es mit der erfolgreichen Aufführung des Stücks "Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar" – in welchem die zweifache Nobelpreisträgerin und Entdeckerin der Radioaktivität Marie Curie, die österreichische Atomphysikerin Lise Meitner und die ebenfalls aus Wien stammende Hollywood-Schauspielerin Hedy Lamarr, die das Frequenzsprungverfahren entwickelte, porträtiert wurden – eine gemeinsame Veranstaltung der beiden Innsbrucker Universitäten, die großen Anklang gefunden hat. Die aktuelle Produktion des Portraittheaters brachte in einer "Geheimsache" das faszinierende Leben und Schaffen von Rosa Luxemburg auf die Bühne – einer außergewöhnlichen Frau, deren Wirken nicht nur für das vorige Jahrhundert und in einer Zeit, in der Frauen noch kein Wahlrecht hatten, bemerkenswert war und ist.

Den spannenden Theaterabend eröffnete Vizerektor Univ.-Ass. Dr. Wolfgang Meixner mit einem historischen Abriss der Entwicklung des Frauentages sowie dessen Hintergründe und stellte auch einen interessanten Bezug zur Protagonistin des Stücks her. In ihrer Begrüßung betonte Univ.-Prof.in Dr.in Margarethe Hochleitner die Bedeutung gemeinsamer Veranstaltungen und die wichtige Konzentration auf gemeinsame Ziele. Der Weltfrauentag sollte auch zum Anlass genommen werden, dass "wir uns und unsere Erfolge feiern!" – wenn schon nicht an 365 Tagen im Jahr, dann zumindest an diesem einen Tag. Dass der Internationale Frauentag immer schon kontrovers diskutiert wurde und wird griff auch Dr.in Sabine Engel, wie zuvor schon ihre VorrednerInnen, in ihren einleitenden Worten nochmals auf: Sie zitierte Viviane Reding, welche den Weltfrauentag als Hinweis auf (nach wie vor) fehlende Gleichstellung interpretiert. Abschließend bedankte auch sie sich nochmals bei allen, die zum Zustandekommen und Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, wünschte allen einen schönen Abend und lud im Anschluss an die Vorstellung zu einem kleinen Umtrunk ein.

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"Unpolitisch zu sein heißt politisch zu sein ohne es zu merken."

Die Aula im Hauptgebäude der Universität Innsbruck war bis auf den allerletzten Platz gefüllt, als ohne Vorwarnung zu den Klängen der Internationalen das Geschehen auf der Bühne seinen Anfang nahm. "Alles, was hier gesagt wird, muss unter uns bleiben", beschwört Anita Zieher in der Rolle als "rote Rosa" eindringlich das Publikum und warnt vor den Gefahren des Bleibens. Es wäre absolut verständlich wenn manche jetzt lieber gehen wollen, da Karrieren und mehr gefährdet seien. Nicht umsonst meinte einst auch Victor Adler über Rosa Luxemburg, dass blitzgescheite Frauen gefährlich sind.

Rosa Luxemburg – viele Menschen kennen nur ihren Namen. Von manchen wird sie verherrlicht, von anderen verdammt. Doch was hat diese Frau tatsächlich gedacht und gemacht? Was hat sie zu aktuellen Themen wie Kapitalismus und Demokratie zu sagen?

Das Leben und Wirken der polnisch-deutschen Politikerin und Theoretikerin der europäischen Arbeiterbewegung Rosa Luxemburg (1871–1919) hat auch heute nichts an Faszination verloren. Im Stück legt das Portraittheater in 90 Minuten das Denken dieser Vordenkerin der Sozialdemokratie mit all seinen Dualitäten und Ambivalenzen offen und stellt über die Themen Pazifismus, Kapitalismus und Arbeitswelt einen Bezug zur Gegenwart her. In der Regie von Sandra Schüddekopf lassen Anita Zieher (Schauspiel) und Ingrid Oberkanins (Percussions) ein komplexes Bild der bedeutenden und umstrittenen Frau entstehen, die unerschrocken gesagt hat, was ist – letztlich die "revolutionärste Tat".

Entlang einer Fülle von Originalzitaten wird das Leben von Rosa Luxemburg jeweils mit Blickrichtung auf biografische Eckpunkte, Privatleben, theoretisches Werk und politische Karriere in einem weiten Bogen aufgespannt, schnell wird aber klar wie untrennbar alle Lebensbereiche miteinander verbunden sind.

Diese Frau redet, stört, polarisiert. Rosa Luxemburg war eine bedeutende Kämpferin, Theoretikerin und Politikerin der europäischen Arbeiterbewegung. Ihr gewaltsamer Tod, die Gefängnisaufenthalte, das unbedingte Einstehen für ihre Ansichten, der Kampf für die Rechte der Arbeiterinnen und Arbeiter waren einzigartig in der Geschichte. Ihre Briefe aus dem Gefängnis zeugen von einer sensiblen und unerschütterlich optimistischen Einstellung. Ihre Reden gelten als brillante Glanzstücke der Rhetorik. Aber sie gilt auch als fehlerhaft, als aufmüpfige Sozialdemokratin, als Kommunistin, Abtrünnige und Aufhetzerin.

Zwei Jahre vor ihrem hundertsten Todestag sind viele Ansichten von Rosa Luxemburg brisant und zum Nachdenken anregend wie nie, gerade mit Blick auf das aktuelle weltpolitische Geschehen. Die Verwandlung der Aula zur Theaterbühne ist eine gelungene Premiere, die sprachlich dichte und fesselnd aufbereitete Biografie erlaubt einen differenzierten Blick auf diese Frau mit all ihren Widersprüchen – passenderweise unter dem Wandrelief "In veritate libertas". Dass sie selbst im Gefängnis in ihren Briefen aufruft "heiter trotzdem" zu sein, die Schönheiten der Natur bewusst wahrzunehmen und vor allem "Mensch zu bleiben" berührt und macht Hoffnung.

Zitate von Rosa Luxemburg

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 „Unpolitisch zu sein heißt politisch zu sein ohne es zu merken.“
„Zu sagen was ist, bleibt die revolutionärste Tat.“
„Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“
„Dann sieh, dass du Mensch bleibst. Mensch sein ist vor allem die Hauptsache.“

 

(Claudia Beyer)

 

Links und weiterführende Informationen:

Portraittheater – Produktion „Geheimsache Rosa Luxemburg“

Büro für Gleichstellung und Gender Studies an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Geschlechterforschung an der Medizinischen Universität Innsbruck

Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen an der Medizinischen Universität Innsbruck

Einladung & Veranstaltungshinweis